Smart Home ist im Alltag angekommen: Heizungen regeln sich selbst und können dabei bis zu einem Viertel an Energie einsparen, Kameras zeigen direkt aufs Smartphone, wer vor der Tür steht. Die Technik ist einfacher und günstiger geworden – doch nicht alles hat sich durchgesetzt. Was wirklich überzeugt und womit sich der Einstieg lohnt, erklärt tink-CEO Marius Lissautzki im Gespräch mit COMPUTER BILD zum zehnjährigen Jubiläum von tink.
Vom Bastelprojekt zum Alltag
2016 war Smart Home noch ein Bastelprojekt für Technikfans. Wer damals loslegen wollte, brauchte Geduld, mehrere Apps und oft ein dickes Budget. Heute sieht das anders aus: Smarte Geräte sind günstiger und mit Standards wie Matter ausgestattet. Das sorgt dafür, dass Geräte unterschiedlicher Hersteller miteinander funktionieren und Lampen, Thermostate und Sensoren in einer App zusammenlaufen. Die Einrichtung funktioniert oft ganz einfach per QR-Code in wenigen Minuten.
Auch für tink-CEO Marius Lissautzki ist das der Wendepunkt:
„Smart Home ist im sogenannten Massenmarkt angekommen. Die Produkte und Software haben die Bastlerecke hinter sich gelassen.“
tink-CEO Marius Lissautzki: Für ihn ist Smart Home längst im Alltag angekommen.
Foto: tink
Was sich wirklich bewährt hat
Nicht alles, was technisch möglich ist, hat sich am Ende auch im Alltag durchgesetzt. Ein Beispiel ist die Sprachsteuerung bei Basisfunktionen. „Sie wurde überschätzt“, sagt Lissautzki. Viele nutzen sie seltener als gedacht, weil sie sich noch nicht nativ genug anfühlt und ein Griff zum Lichtschalter oft schneller ist.
Andere Bereiche haben sich klar etabliert: „Vor allem Heizung, Sicherheit rund um die Haustür und einfache Komfortlösungen“, sagt Lissautzki
Heizen: Energie und Geld sparen
Smarte Thermostate regeln die Temperatur automatisch. Sie erkennen, ob jemand zu Hause ist, reagieren auf offene Fenster und passen sich sogar dem Wetter an. So lässt sich je nach Haushalt bis zu 25 Prozent Energie einsparen. „Kunden haben schnell erkannt, wie viel Einsparpotenzial darin steckt“, sagt Lissautzki.
„Vor allem Heizungslösungen rechnen sich oft schnell“, meint Lissautzki.
Foto: tink
Sicherheit: Sehen, wer vor der Tür steht
Video-Türklingeln zeigen per App, wer klingelt, auch wenn man nicht zu Hause ist. Smarte Türschlösser lassen sich per Smartphone öffnen oder es können zeitlich begrenzte digitale Schlüssel vergeben werden – der klassische Haustürschlüssel bleibt dabei immer nutzbar. Kombiniert mit Tür- und Fenstersensoren entsteht ein System, das sofort meldet, wenn etwas nicht stimmt.
„Alles rund um die Haustür wurde sehr schnell angenommen“, sagt Lissautzki.
Energie: Stromfresser sichtbar machen
Smarte Steckdosen messen den Energieverbrauch einzelner Geräte. So fällt schnell auf, dass etwa der alte Kühlschrank oder der Fernseher im Standby mehr zieht als gedacht.
Licht: kleine Änderung, großer Effekt
Licht ist für viele der einfachste Einstieg. Lampen lassen sich dimmen, automatisch einschalten oder an Szenen koppeln. Beispiel: Das Licht im Flur geht nachts automatisch gedimmt an, statt grell zu blenden. Oder das Wohnzimmerlicht passt sich abends wärmer an.
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Foto: tink
Entertainment: Mehr aus Musik und Filmen holen
Multiroom-Sound und vernetzte Heimkino-Systeme holen mehr aus Serienmarathons und Musik heraus. Inhalte lassen sich nahtlos in mehreren Räumen abspielen oder per App steuern.
Warum Smart Home heute sinnvoller ist
Ein entscheidender Faktor war zuletzt die Energiekrise. Smart Home ist mittlerweile weniger Tech-Gadget-Spielerei für Liebhaber, sondern hilft konkret beim Sparen und bringt echten Mehrwert im Alltag.
Wichtig bleibt aber: Alles muss auch ohne App funktionieren. Lissautzki betont, dass ein Lichtschalter weiterhin per Hand bedienbar sein sollte und eine Tür auch mit Schlüssel geöffnet werden kann.
„Wie man am besten startet, hängt stark vom Haushalt ab“, sagt Lissautzki. „Entscheidend ist, dass ein klarer Nutzen im Alltag im Mittelpunkt steht.“
Foto: COMPUTER BILD (KI generiert)
Typische Fehler vermeiden
Auch heute gibt es noch klassische Stolperfallen:
- Zu viele Einzelgeräte: Auch mit Matter lohnt es sich, früh eine zentrale Plattform festzulegen. Sie ist die Schaltzentrale für Automationen und sorgt dafür, dass alles sauber zusammenspielt.
- Zu billig kaufen: Günstige Geräte sparen oft an Software und Zuverlässigkeit. Die Folge sind Verbindungsabbrüche, schlechte Apps und Frust.
- Zu kompliziert starten: Ein häufiger Fehler ist, direkt mit komplexen Automationen zu beginnen. Besser: klein starten und das System Schritt für Schritt erweitern.
Fazit
In den letzten 10 Jahren hat sich Smart Home vom Bastelprojekt zur alltagstauglichen Lösung entwickelt. Der Fokus liegt heute weniger auf Technikspielerei, sondern auf konkretem Nutzen im Alltag. In Lissautzkis Worten: „Smart Home muss heute nicht mehr beeindrucken. Es soll einfach funktionieren.“
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